Wer Medcase baut, wie Fälle entstehen und woran sich die Auswahl orientiert.
Team & Hintergrund
Medcase ist ein Projekt mit medizinischem Hintergrund: Wir entwickeln KI-gestützte, quellenbasierte Klinikfälle, mit denen Medizinstudierende klinisches Denken trainieren können: echte diagnostische Situationen statt reiner Auswendiglern-Karteikarten.
Ich bin Sergio Jacinto Hein, Medizinstudent in Mainz, bereits im klinischen Studienabschnitt, und entwickle das Projekt aus eigenem Interesse. Medizinisches Fachwissen und Produktentwicklung liegen damit bei mir in einer Hand: ein Vorteil für schnelle Iteration in der frühen Phase, zugleich der Grund, warum ich ein unabhängiges fachärztliches Review vor einer breiteren Bewerbung fest eingeplant habe (siehe Qualitätssicherung).
Wie ein Fall entsteht
Kein Fall wird „einfach so“ von einer KI ausgegeben. Jeder quellenbasierte Fall durchläuft denselben festen Prozess:
1. Diagnose auswählen
Nach IMPP-Prüfungshäufigkeit, realer Prävalenz (RKI) und Cannot-miss-Kriterium, nicht zufällig.
2. Recherche
Nur Primärquellen: AWMF-Leitlinien, ESC, RKI, Onkopedia, IMPP, PubMed, leitlinien.de. Bewusst kein Amboss oder UpToDate.
3. Fall schreiben
Anamnese, Untersuchung, Labor/Bildgebung, 4 Antwortoptionen mit plausiblen Differenzialdiagnosen.
4. Konsistenz-Check
Passen alle Laborwerte, Demografie und Bildgebung physiologisch zueinander? Größte Fehlerquelle bei KI-Fällen.
5. Strukturvalidierung
Automatisiertes Skript prüft Pflichtfelder, Antwortoptionen und Datenformat vor Veröffentlichung.
6. Quellen dokumentieren
Jede Diagnosekriterien-Quelle wird vermerkt, auch wenn die Quellenlage dünn ist, statt eine Quelle zu erfinden.
Woran sich die Fallauswahl orientiert und wie wir mit Cannot-miss-Diagnosen umgehen.
IMPP-Häufigkeit
Klinik-Fälle: offizieller IMPP-Blueprint (M2-Examen)
Das IMPP veröffentlicht seit Kurzem erstmals einen offiziellen „Blueprint“ mit der angestrebten Themenverteilung der 320 Prüfungsaufgaben im Zweiten Staatsexamen. Diese Zahlen gelten für das gesamte M2-Examen (alle Fächer); wir nutzen sie zur relativen Gewichtung zwischen den für unsere Klinik-Fälle relevanten Organsystemen, nicht als exakte Fallzahl-Vorgabe pro System.
Quelle: IMPP: Blueprint Zweites Staatsexamen Medizin. Werte sind laut IMPP Richtwerte, rechtlich nicht verbindlich.
Vorklinik-Fälle: IMPP-Gegenstandskatalog 1 (GK1)
Für das Physikum (M1) gibt es keinen numerischen Blueprint wie bei M2. Geprüft wird nach dem IMPP-Gegenstandskatalog 1, der in Spalte 4 „Anwendungsbeispiele“ enthält: vom IMPP selbst markierte Themen mit hoher klinischer Relevanz. Genau diese nutzen wir als Grundlage für unsere Fall-Vignetten, aus den drei praktisch übersetzbaren Teilkatalogen:
Quelle: IMPP: Gegenstandskataloge.
Examen/PJ-Fälle: kein IMPP-M3-Blueprint, deshalb zwei andere Achsen
Geprüft (verifiziert direkt auf impp.de): Das IMPP führt ausschließlich die schriftlichen Prüfungen M1 und M2 durch. Der Dritte Abschnitt (M3, nach dem Praktischen Jahr) ist eine mündlich-praktische Prüfung, lokal an den Universitäten abgenommen, kein bundesweiter Blueprint, keine IMPP-Statistik dazu. Eine „IMPP-M3-Häufigkeit“ existiert schlicht nicht, wir erfinden hier keine. Stattdessen zwei reale Achsen: die GK2/M2-Gewichtung als inhaltliche Grundlage (M3 prüft denselben Stoff, nur mündlich-praktisch) plus echte Krankenhaushäufigkeit nach Destatis.
Quelle für Krankenhaushäufigkeit: Destatis: Diagnosen der Krankenhauspatientinnen und -patienten, jährliche amtliche Statistik aller vollstationären ICD-10-Diagnosen in Deutschland.
Cannot-miss
Häufigkeit allein reicht als Auswahlkriterium nicht. Manche Diagnosen sind selten, aber zeitkritisch und lebensbedrohlich: wer sie übersieht, riskiert den Patienten. Deshalb ist „cannot-miss“ keine Randnotiz, sondern eine eigene, dritte Auswahl-Achse neben Prüfungshäufigkeit und Prävalenz, gestützt durch den IMPP-Blueprint selbst: Achse 2 weist „Notfallmaßnahmen“ mit 5–20 % einen eigenständigen, substanziellen Anteil zu, nicht nur „wenn Zeit bleibt“.
38 von 70 quellenbasierten Fällen (rund 54 %) sind aktuell als cannot-miss markiert, bewusst kein kleiner Anteil.
Alle aktuell live
Wie viel Arbeit in der Fallbank steckt und wie Qualitätssicherung heute und künftig aussieht.
Arbeitsaufwand
Wir zeigen hier keine runde, geschönte Zahl, sondern genau, welcher Teil der Fallbank auf welchem Qualitätsniveau ist:
15
Vorklinik-Fälle
Vollständig quellenbasiert, mit individuellen Quellenangaben pro Fall.
40
Klinik-Fälle
Innere + Allgemeinmedizin, vollständig quellenbasiert mit individuellen Quellenangaben pro Fall.
15
Examen/PJ-Fälle
Vollständig neu erstellt, quellenbasiert (AWMF/Destatis), ersetzt die alte ungeprüfte 40-Fälle-Bank vollständig.
Alle 70 Fälle (Vorklinik + Klinik + Examen/PJ) sind mittlerweile quellenbasiert. Jeder Fall enthält zusätzlich:
Zahlen Stand dieser Seite. Die Fallbank wächst laufend, aktuelle Gesamtzahl siehe Startseite.
Qualitätssicherung: heute und geplant
„Fall melden“-Funktion ist live: Direkt im Ergebnis-Screen kann jeder Fall gemeldet werden. Meldungen laufen intern zusammen und werden gesichtet, ein echter, sofort nutzbarer Feedback-Kanal, kein bloßes Versprechen.
Fachärztliches Review ist geplant, aber noch nicht erfolgt. Quellenangaben zeigen sauberes Recherchieren; sie ersetzen kein fachliches Review. Ein Review durch mindestens einen Assistenz- oder Facharzt ist die Voraussetzung, bevor wir aktiv um ärztliche Aufmerksamkeit werben.
Fachlichen Fehler gefunden? Schreib uns direkt an kontakt.medcase@gmail.com. Jeder konkrete Hinweis wird geprüft.